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Buchkritik -- Nnedi Okorafor -- Tod der Autorin

Umschlagfoto, Buchkritik, Nnedi Okorafor, Tod der Autorin, InKulturA In ihrem genreübergreifenden Roman „Tod der Autorin“ entfaltet Nnedi Okorafor ein komplexes Vexierspiel aus Metafiktion, literarischem Drama und afrofuturistischer Vision. Die Erzählung, kunstvoll als Buch im Buch konstruiert, folgt der nigerianisch-amerikanischen Autorin Zelu, einer Frau, die nicht nur mit ihrer körperlichen Behinderung, sondern auch mit ihrer Rolle als Außenseiterin in der eigenen Familie und der literarischen Welt ringt. Am Tiefpunkt ihres Lebens, konfrontiert mit beruflichen und privaten Enttäuschungen, erschafft sie ein Werk, das sie über Nacht berühmt machen wird: „Rusted Robots“.

Dieser fiktive Roman entwirft ein episches Zukunftsszenario im post-apokalyptischen Lagos, in dem Androiden und künstliche Intelligenzen in den Ruinen der menschlichen Zivilisation um die Vorherrschaft kämpfen. Doch der literarische Ruhm erweist sich für Zelu als zweischneidiges Schwert. Sie sieht sich mit den Herausforderungen einer überwältigenden Online-Präsenz, den Fallstricken weißer Philanthropie, Anfeindungen wegen Ableismus und dem Druck, eine Fortsetzung zu schreiben, konfrontiert. Persönliche Schicksalsschläge wie der Tod ihres Vaters, ihre Heirat und eine riskante Weltraumreise während ihrer Schwangerschaft verdichten sich zu einem Kaleidoskop existenzieller Prüfungen.

Obwohl Okorafor eine beeindruckende Bandbreite an Themen – von kulturellen Stereotypen über den Einfluss sozialer Medien bis hin zur Bedeutung von Wasser – verhandelt, kristallisiert sich die Auseinandersetzung mit künstlicher Intelligenz als das pulsierende Herz des Romans heraus. Zelus „Rusted Robots“ ist mehr als nur eine Science-Fiction-Erzählung; es ist ein intellektueller Diskurs, der westliche Narrative über das Verhältnis von Mensch und Maschine infrage stellt. Indem sie die Handlung in Nigeria ansiedelt und die Beziehung zwischen einem humanoiden Roboter und einer körperlosen KI aus einer afrofuturistischen Perspektive beleuchtet, eröffnet Okorafor neue Wege, sich eine post-rassistische und post-humanistische Zukunft vorzustellen.

Die anfängliche Feindschaft zwischen dem Androiden Ankara und der KI Ijele, die sich zu einer Allianz zur Rettung der Erde wandelt, spiegelt die aktuellen Ängste und Hoffnungen wider, die wir mit der rasanten Entwicklung künstlicher Intelligenz verbinden. Doch Okorafor geht einen Schritt weiter: „Rusted Robots“ wird zur Reflexion über die Menschheit selbst, jenseits der Konzepte von Rasse und Körperlichkeit. Zelus eigene Erfahrungen als behinderte, nigerianisch-amerikanische Frau fließen in ihr Werk ein und machen „Tod der Autorin“ zu einem tiefgründigen Dialog zwischen dem Leben einer schwarzen Autorin und der von ihr geschaffenen Fiktion.

Nnedi Okorafor hat mit „Tod der Autorin“ ein intellektuell anspruchsvolles und emotional packendes Meisterwerk geschaffen, das die Grenzen der Genres sprengt und die drängenden Fragen unserer Zeit mit literarischer Brillanz verhandelt. Es ist ein Roman über die Geburt einer neuen Zukunft, die allen Lebewesen auf diesem Planeten – ob organisch oder nicht – gerecht zu werden versucht.




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Veröffentlicht am 25. Januar 2026