Wenn Wahlergebnisse zum Staatsstreich erklärt werden

Es gibt politische Systeme, die an ihren Feinden zugrunde gehen. Und es gibt solche, die an ihrer eigenen moralischen Selbstvergötterung verenden. Die gegenwärtige deutsche Parteienlandschaft scheint entschlossen, den zweiten Weg bis zur bitteren Konsequenz auszukosten: nicht trotz ihrer Demokratie-Rhetorik, sondern gerade wegen ihr. Weiterlesen

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Sonntags nie

Es gibt Menschen, die freuen sich auf den Sonntag. Sie sprechen dann von „rausfahren“, „die Natur genießen“ oder, besonders bedrohlich, von „einem schönen Familienausflug“. Ich hingegen betrachte den Sonntag mit der vorsichtigen Skepsis eines Mannes, der weiß, dass irgendwo bereits jemand Funktionskleidung anzieht.

Nein, sonntags bleibe ich lieber daheim. Dort bin ich sicher. Dort gibt es keine Ausflugslokale voller Eltern, die ihre Kinder mit einer Mischung aus Gleichgültigkeit und biologischem Fatalismus großziehen. Kinder nämlich, die bereits morgens um halb zehn eine Lautstärke entwickeln, bei der NATO-Staaten normalerweise den Verteidigungsfall prüfen würden. Weiterlesen

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Der Verdacht, kein Täter zu sein

„Es reicht nicht, kein Täter zu sein.‟

Der Satz marschiert heute durch deutsche Debattenräume wie ein schlecht gelaunter Blockwart im moralischen Stechschritt. Früher genügte es noch, keine Menschen zu erschlagen, keine Häuser anzuzünden und keine Nachbarn in Viehwaggons zu verladen. Heute dagegen beginnt die eigentliche Schuld offenbar dort, wo man einfach nur in Ruhe Kaffee trinken wollte. Weiterlesen

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Wächter und Wanderer

Mitch Rapp und Jack Reacher – Kulthelden des modernen Actiongenres II

Die moderne Literaturlandschaft des Action- und Thrillergenres wird maßgeblich von Protagonisten geprägt, die als archaische Beschützerfiguren in einer zunehmend komplexen und moralisch ambivalenten Welt agieren. Unter diesen modernen Heroen ragen zwei Gestalten durch ihre beispiellose Resonanz beim Lesepublikum und ihre scharfe Profilierung besonders hervor: Mitch Rapp, der kompromisslose Anti-Terror-Agent aus der Feder des verstorbenen Vince Flynn, und Jack Reacher, der nomadische Ex-Militärpolizist, erschaffen von dem britischen Autor Lee Child. Obgleich beide Figuren dem Archetypus des einsamen Rächers entsprechen und in ihrer physischen wie taktischen Überlegenheit kaum zu übertreffen sind, offenbart eine tiefere literarische Analyse fundamentale Divergenzen in ihrer Genese, ihrem moralischen Ethos und ihrem Verhältnis zur institutionellen Ordnung. Weiterlesen

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Schatten der Gerechtigkeit

Evan Smoak und Court Gentry – Kulthelden des modernen Actiongenres I

Das moderne Actiongenre wird zunehmend von Figuren dominiert, die sich in den moralischen Grauzonen unserer Welt bewegen, Männer, die töten, um zu schützen, und die im Schatten operieren, weil das Licht des Gesetzes zu schwach brennt. Zwei der prägnantesten und faszinierendsten Vertreter dieser neuen Heldengeneration sind Evan Smoak, auch bekannt als der „Nowhere Man“, erschaffen von Gregg Hurwitz, und Court Gentry, der legendäre „Gray Man“ aus der Feder von Mark Greaney. Beide Charaktere haben sich zu wahren Kulthelden entwickelt, deren Buchreihen internationale Bestsellerlisten erklimmen und Hollywood in Bewegung setzen. Sie teilen die Gemeinsamkeit einer Vergangenheit als hochgradig ausgebildete, staatliche Auftragsmörder, die sich von ihren Schöpfern losgesagt haben. Dennoch unterscheiden sie sich signifikant in ihrer Motivation, ihrer psychologischen Tiefe und der Art und Weise, wie sie ihre jeweilige Welt navigieren. Dieser Essay beleuchtet die Ursprünge, die moralischen Fundamente und die literarische Bedeutung dieser beiden Ikonen des zeitgenössischen Thriller-Genres. Weiterlesen

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Aufgeben ist die einzige wahre Niederlage

Der Gedanke, dass der vorzeitige Verzicht auf den Widerstand die eigentliche und endgültige Niederlage besiegelt, durchzieht als zentrales Motiv die Ideengeschichte der Menschheit. Von der Antike bis zur Moderne haben Denker, Literaten und Staatsmänner diese existenzielle Wahrheit immer wieder umkreist. Sie verweisen darauf, dass nicht das Scheitern an einer übermächtigen Aufgabe den Menschen mindert, sondern die Kapitulation vor der bloßen Möglichkeit des Scheiterns. Im Folgenden wird diese philosophische Konstante anhand ausgewählter Aphorismen beleuchtet, welche die unbedingte Notwendigkeit des inneren und äußeren Kampfes postulieren. Weiterlesen

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Gute Gedanken, böse Gedanken

Kontrolliere ich die Welt?

Der Satz „Alle meine negativen Gedanken, die ich gegenüber anderen Menschen habe, fallen auf mich selbst zurück“ berührt tiefgründige Konzepte, die sich durch die Religionsgeschichte, esoterische Lehren, philosophische Denkschulen und bis hinein in die moderne Quantenphysik ziehen. Dieser Gedanke drückt eine fundamentale Verbundenheit zwischen dem inneren Erleben eines Individuums und seiner äußeren Realität aus, wobei die Trennung zwischen dem Selbst und dem Anderen aufgehoben oder zumindest stark relativiert wird. Im Folgenden wird diese Aussage in einem umfassenden interdisziplinären Rahmen beleuchtet, der ethische, psychologische und quantenphysikalische Perspektiven integriert, um die vielschichtigen Dimensionen dieses Prinzips für das moderne philosophische Denken herauszuarbeiten. Weiterlesen

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Die letzte Einberufung

Der Staat entdeckt den Greis als Waffensystem

Es gibt politische Forderungen, die klingen zunächst wie ein Versehen. Ein Zahlendreher vielleicht, ein redaktioneller Schluckauf, ein Moment unglücklicher geistiger Unterversorgung. Weiterlesen

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Hugin und Munin im Spiegel der Maschinen

Vom Ende der Trennung zwischen Denken und Erinnern

Es ist eine der stilleren Ironien der Gegenwart, dass ausgerechnet die kalte Präzision der Maschine uns zwingt, uralte Mythen wieder ernst zu nehmen. Während Serverfarmen in entlegenen Landschaften rauschen wie künstliche Wälder, kehren zwei Vögel zurück, die niemals wirklich verschwunden waren: Hugin und Munin, die Raben Odins. Der eine steht für das Denken, der andere für das Erinnern, und beide fliegen täglich über die Welt, um ihrem Gott Bericht zu erstatten. Ein archaisches Modell von Erkenntnis, könnte man sagen, das sich nun, kaum dass wir uns von ihm gelöst glaubten, in der Architektur der Künstlichen Intelligenz wieder einschreibt. Weiterlesen

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Berlin kapituliert – und verkauft die Kapitulation als Konzept

Die Ästhetik des Abfalls und der Tourist als tragische Figur der Stadtreinigung

Es gehört zu den stillen Meisterleistungen dieser Stadt, dass sie selbst aus dem Offensichtlichen noch ein Geheimnis macht. Müll etwa. In anderen Städten ist er ein Problem. In Berlin, bekanntlich die Stadt des angewandten politischen Irrsinns, ist er ein Zustand. Und Zustände, das weiß man hier, lassen sich nicht einfach beheben, sie müssen gedeutet werden. Weiterlesen

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